Ein Photoalbum. Auf der Linken Seite sieht man eine Frau und einen Mann, datiert September 1991
Ein Photoalbum. Auf der Linken Seite sieht man eine Frau und einen Mann, datiert September 1991

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Max Zimmer
Max Zimmer

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Eine Frau mit Laptop auf Max Bett
Eine Frau mit Laptop auf Max Bett

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Wo du mich findest

“Ich bin Max“, sagt ein monolithartiges Etwas mit der Stimme eines jungen Mannes, das auf dem Tisch der Wohnung liegt, die die Zuschauer allein oder zu zweit für jeweils 90 Minuten besuchen können. ”Ich bin mehr Max als Max Max ist. Maximal Max.“ Der Bot behauptet, nicht nur sämtliche Erinnerungen gespeichert zu haben, die der echte Max zum Teil längst vergessen haben wird, sondern auch Max’ Wünsche zu kennen, seine Ängste, seine Träume - all das also, was der Mensch selbst bisweilen gar nicht durchschaut. 

 

Mit Max chatten können die Zuschauer bereits im Vorfeld ihres Besuchs in der Wohnung, über Telegram auf ihrem eigenen Handy. Wie die Zwischenmieter eines AirBnB stellt ihnen der Gastgeber seine WG vor. Aber es ist nicht Max, wie sich bald herausstellt, sondern MaxBot, der ihnen sich selbst und seine Mitbewohner vorstellt und seine große Liebe und ”Erfinderin”, die Spieleentwicklerin Linn, die den Bot als Masterprojekt an der Uni programmiert hat. 

 

Je mehr die Zuschauer auf dem Laptop in der Wohnung in den E-Mails, Text- und Sprachnachrichten stöbern, die sich Max mit Freunden und Familienmitgliedern geschickt hat, desto mehr erfahren sie über MaxBot und seine Entstehung und so auch über Max, den das digitale Wesen kopiert: Um MaxBot noch menschenähnlicher werden zu lassen, stellte die junge Programmiererin ihn ins Netz, wo er von Tausenden von Menschen trainiert wird. Wenig später ist der echte Max verschwunden. Als Linn seinen digitalen Klon vom Netz nehmen will, ist es zu spät. Längst gibt es nicht mehr nur eine Kopie, sondern viele. Und das Original bleibt verschwunden.

 

Die Geschichte von Max’ Verschwinden und seiner Vervielfältigung entrollen die Zuschauer selbst, indem sie Max in seinen digitalen und analogen Spuren suchen. Welche Geschichte erzählen die Text- und Sprachnachrichten, Fotos und Videos, die sich auf dem Laptop von Max finden? Welche (anderen) Geschichten erzählen die Spuren, die die Person in der Wohnung hinterlassen hat? Was sind die Dinge, die MaxBot fehlen, trotz allen Wissens um Max’ Erinnerungen, Gedanken und Gefühle? Wo findet man das wahre Ich eines Menschen?

Wir setzen mit dieser Arbeit unser Experimentieren mit hybriden Formen des Erzählens fort. 

WO DU MICH FINDEST ist eine immersive Performance in hyperrealistischem Setting, in der die Zuschauer keiner einzigen der Figuren leiblich begegnen und in der trotzdem eine intime und beklemmende Nähe zu ihnen entsteht.

> Presse <

“Wir sind da, aber die Handlung ist es nicht. Oder anders: Sie ist es nur durch die Mails, die auf Max‘ Laptop eintrudeln, durch die Chatverläufe in seinem Telegram-Account – und die Anrufe von Linn. Schnitzeljagd-Feeling. Die Installation verändert auf interessante Weise den eignen Blick, befragt den Gegensatz, den sie selbst aufmacht. Wieso sollte das medial Vermittelte eigentlich weniger real sein, als der direkte Eindruck?” 

Bayerischer Rundfunk

 

“Das ist mal gruselig, mal witzig, vor allem regt es zum Nachdenken an. Ausprobieren!”

Münchner Merkur

 

“Die fiktiven Biografien ergeben sich aus vielen klug gebauten Schnipseln. Die Kunst-Identitäten sind mit der eigenen vergleichbar. Und deshalb rücken einem die Fragen nach dem Umgang mit den eigenen Daten, überhaupt nach den Spuren, die man in der Welt hinterlässt, sehr nah. So tut es dann auch ein bisschen weh, in dieser Wohnung herumzuschnüffeln, obwohl es ein Kunst-Projekt ist. Denn man erkennt in der eigenen, hier ja beabsichtigten Hemmungslosigkeit auch die der anderen.”

Süddeutsche Zeitung